Glocken als Musikinstrumente und im Zusammenspiel.
Von der Disposition der Glocken.
Kirchenglocken sind geweihte Musikinstrumente.
Für den Laien klingt eine Glocke, als sei sie auf einen einzelnen,
bestimmten Ton gestimmt. Tatsächlich setzt sich der Klang einer Glocke
harmonisch aus mehreren einzelnen Tönen zusammen. Das, was der Laie
für den Glockenton hält, also der im Vordergrund am lautesten
erscheindende Ton, nennt man den Schlagton (oder Nominalton) der
Glocke.
Neben diesem Schlagton erzeugen gute Glocken weitere Teiltöne, die
der Glockenfachmann durch spezielle, verstellbare Stimmgabeln an der Glocke
direkt abnehmen kann. Neben dem Schlagton klingen beispielsweise (vom
Schlagring
an aufwärts betrachtet) die Oberoktave, die Terz, die
Unteroktave, die Quinte und die Prime.
Mit den Tonhöhen von Glocken und dem nach ihm benannten Tonhöhenberechnungsverfahren
hat sich insbesondere Prof. Dr. Ernst Terhardt (Emeritus der TU München)
auseinandergesetzt. (Im Internet abrufbar sind z.B. die Arbeiten The
definition of pitch und Strike
note of bells).
Das Zusammenspiel der einzelnen Teiltöne wird (ebenso wie der Nachklang,
die Weichheit des Tones und andere klangliche Faktoren) von der Glockenrippe
bestimmt, also dem Querschnitt des Glockenkörpers. Die sog. "gotische"
Glockenrippe (so benannt, weil sie auf Grundlagen zurückgeht, die
in gotischer Zeit um 1400 entwickelt wurden) gilt als harmonisch besonders
ausgewogen. Typisch für sie ist, dass die Höhe der Glocke (ohne
Krone)
gleich dem Durchmesser an ihrer Unterkante (dem sog.
Schärfendurchmesser) ist.
Bei mehreren Glocken geben die Intervalle der einzelnen Schlagtöne
den Zusammenklang der Glocken vor. Man nennt diese Intervallfestlegung
(ähnlich wie beim Orgelbau) auch Disposition.
Es liegt auf der Hand, dass die Disposition umso reichhaltiger ist, je
mehr Glocken zur Verfügung stehen. Dispositionen reichen von einfachen
Zweiklängen (z.B. der Mollterz C - Es) bei Zweiergeläuten bis
hin zu komplexen Intervallschichtungen bei großen Geläuten,
beispielsweise bei den 16 Glocken von St.
Lorenz in Nürnberg. Manche Dispositionen sind nach dem (gregorianischen)
Choralmotiv benannt, das ihren Intervallen zu Grunde liegt.
Einige klassische Dispositionen:
| Disposition |
Erläuterung |
| C - D - E |
rein melodische Disposition |
| C - Es - G |
rein harmonische Disposition (Molldreiklang) |
| C - Es - F |
Te Deum Motiv |
| C - D - F |
Gloria Motiv (so auch in der Philippuskirche) |
| C - E - G - A |
Salve Regina Motiv (
Beispiel (Freiburger
Dom)) |
| C - Es - F - G |
Molldreiklang mit Quarte (
Beispiel) |
| C - D - F - G |
Kombination aus Gloria und Te Deum (
Beispiel) |
Wenn alle Glocken gemeinsam läuten, nennt man das Vollgeläute
(oder Plenum). Je mehr Glocken ein Geläut aufweist, desto
mehr verschiedene Teilgeläute (Geläutevariationen) sind
möglich.
Aus physikalischen Gründen läutet eine größere, schwerere,
in der Regel tiefer gestimmte Glocke mit einer langsameren Frequenz als
eine kleinere, leichtere. Eine gleichmäßige Anschlagsfolge
gibt es daher in aller Regel nicht.
Im Internet können Sie sich viele Geläute anhören. Zum
Beispiel da:
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