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Kanonenfutter.
Warum Kriegszeiten auch für Glocken schlechte Zeiten waren.
"Waren" werden Sie womöglich fragen? Ja, waren. Denn für
heutige Waffensysteme spielt die Glockenbronze keine entscheidende Rolle mehr.
Genau auf diese Bronze hatten es die Militärs aller Couleur in früheren
Zeiten allerdings abgesehen. Nationales Militärinteresse ging noch immer über
Gotteslob. Im ersten Weltkrieg, so rechnet man, sind etwa 65.000 Glocken eingeschmolzen
worden, im zweiten Weltkrieg noch einmal wenigstens 45.000 in Deutschland, außerdem
etwa 35.000 in den besetzten Gebieten. Dabei gab es zwar eine Klassifizierung der
Glocken nach ihrer historischen Bedeutung - einen wirklich wirksamen Schutz für
wertvolle alte Glocken bedeutete das allerdings nicht. Alleine auf dem berüchtigten
Glockenfriedhof in Hamburg-Veddel warteten bei Kriegsende noch weit über 10.000
Glocken auf den Schmelzofen!
Weil ähnliche Werkstoffe und ähnliche Verfahren zur Anwendung kamen,
waren Glockengießer in früheren Zeiten in aller Regel zugleich Kanonengießer.
In Friedenszeiten gossen sie Glocken, in Kriegszeiten Kanonen. Ein krisensicherer
Job!
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